Wo so viele Gedankenblitze leuchten, muss man wohl von einer Naturerscheinung sprechen: Auch in der abendfüllenden Version bleibt das Berliner Poesie-Torpedo am Piano, Marco Tschirpke, ein ganz eigener Wunderknabe. Im ausverkauften Burgtheater lieferte er – nach ausgezeichneter Einlage bei der Kabarettpreis-Gala – den hakenschlagenden Beweis. Da knickte der Prince Charming mit “Lapsuslieder” reihenweise Einfälle und Frauenherzen.
“Machste mal ein Lied über Fürth, wusst ich doch, dass es nichts wird”, singt er, teilt die Welt in das Gegensatzpaar Feminismus/Humanismus und heizt Klassenkampf an: “Wo ein Wille ist, ist ein Weg, wo zwei Villen sind, ist der Weg verbaut”.
Marco Tschirpke zielt rückwärts durch die Brust in den Kopf, geht die Kehrtwende hoch und hüpft lässig durch seine lyrischen Tretminen. Oder müsste es heissen: Tretmienen? Jedes Tastendonnern muss mit der Abbruchtaste rechnen. “Ha, verspielt!” höhnt er in die Kakophonie und zieht sich als One-Boy-Group anschliessend einen Süssholzschiefer rein: “Deine unverwüstliche Oasenhaftigkeit lässt in jedem Mann die Hoffnung keimen, er wäre ein Kamel.” Kitsch dem Kabarett? Auch da ist der Häksler längst auf dem Gedankensprung: “Der Vorwurf trifft mich nicht, weil ich mich ducke.”
Die Abendzeitung, Nürnberg, 25.02.2008
Marco Tschirpke (Jahrgang 1975, aufgewachsen in Brandenburg a. d. Havel) absolvierte nach einer Berufsausbildung im Emsland ein Studium der Fächer Musiktheorie und Klavier an der Folkwang-Hochschule Essen. Hier entstanden erste Liederzyklen: „vom großen andersrum”œ (1999), “kinderlieder” (2000), “kempner-fragmente” (2001) sowie zahlreiche Miniaturen für Sopranstimme und Klavier.
Mit dem Umzug nach Berlin folgen 2002 die ersten Solo-Kurzauftritte auf den zahlreichen Kleinkunstbühnen der Stadt. Marco Tschirpke nähert sich, ausgehend vom durchkomponierten Kunstlied, immer mehr der knappen Form an. Dabei entwickelt er neben der Vertonung eigener Vier- und Zweizeiler eine Pointentechnik, die ihm einen sehr freien Umgang mit Reim-Schemata erlaubt und sein Spiel mit inhaltlichen Wendungen unterstützt.
Eine erste Solo-CD namens “aufstehentchen” mit 22 Lapsusliedern erscheint im Mai 2003, im Sommer des gleichen Jahres entsteht das erste Soloprogramm “LAPSUSLIEDER”.
2004 gewinnt Marco Tschirpke den “7. Bielefelder Kabarettpreis”,
Die Nachfolge-CD “Liebkindkosen” erscheint im Mai 2005. Sie enthält weitere 30 Lapsuslieder und wird im Rahmen erster Radiointerviews im Deutschlandradio Kultur und im Hessischen Rundfunk vorgestellt.
Ebenfalls 2005 gewinnt Marco Tschirpke den Solisten-Publikumspreis des “Stuttgarter Besen”/SWR.
2006 erscheint -erstmalig z.T. mit Gastmusikern- die CD “Lapsuslieder 3″ (bei FEEZ Entertainment Köln) und “Lapsuslieder 2″ als Neuauflage der CD “Liebkindkosen” (ebda.).
2007 erhält Marco Tschirpke den “Deutschen Kabarett-Preis”/Sonderpreis und den “CABINET-Preis” für ostdeutsche Künstler in der Kategorie Musik.
(Foto: Marco-Tschirpke.de)